Von Faszientraining, Blackrollübungen und Schmerzen

Von Faszientraining, Blackrollübungen und Schmerzen…

Das Faszientraining ist in. Und zwar wirklich in! In jeder noch so kleinsten Fitnessbude sieht man sie. Menschen, die sich mit schmerz verzerrten Gesichtern über kleine und grosse Plastikrollen und Bälle schieben. Wenn man diese Leuten dann fragt, was ihre Motivation ist, dann bekommt man ein euphorisches Gespräch aufgedrückt, wie sich hier das Bindegewebe öffnet und man ein unglaubliches Feeling in der Muskulatur bekommt. Dann hört man nur noch Wörter wie straffer, beweglicher, Schmerzen verschwinden und so weiter. Alles ist auf einmal offen und die Leistungsfähigkeit ist plötzlich auch gesteigert.

Anzeige*

Von Faszientraining, Blackrollübungen und Schmerzen

Faszientraining ist einfach sexy

Bei Gesprächen über Faszientraining merkt man als aller Erstes, dass Wort ist einfach sexy. Es klingt modern und auch ein wenig technisch und wissenschaftlich. Man bekommt gleich das Gefühl irgendwie intelligenter zu sein. Verzichtet man allerdings auf das intelligente Feeling, spricht man auf einmal vom Bindegewebstraining. Klingt halt etwas langweiliger.

Beim Faszientraining wird, wie der Name bereits sagt, das Faszien- bzw Bindegewebe trainiert. Hierfür gleitet man mit dem Rücken, Arsch, Armen und was eben alles am Körper irgendwie Muskeln hat über eine Faszienrolle. In der Praxis tut das als aller erstes höllisch weh. Das Fasziengewebe ist Bindegewebe, welches sich als Netz durch den ganzen Körper zieht und Muskeln und Organe an ihren Platz hält und dem gesamten Muskelapparat so wichtige Stabilität gibt. Durch die elastischen Eigenschaften wirkt es als Stossdämpfer und macht Bewegungen federnd und geschmeidig.


Das Faszialgewebe besteht aus mehreren übereinander liegenden Schichten, welche bei Bewegungen übereinander gleiten. Wer sich wenig bewegt, bei dem verklebt das Faszialgewebe bzw es entstehen Verdickungen. Interessant ist, das diese Strukturen und vor Allem der Zusammenhang dieser mit dem Thema Bewegung nicht erst seit gestern bekannt sind. Erst seit kurzem kann man hier tiefer in diese Strukturen hinein schauen.

Anzeige*

Blackroll Triggerball für das Faszientraining

Geteilte Meinung bei Sportwissenschaftlern

Tatsächlich gehen die Meinungen der Sportwissenschaftler hier auseinander. Denn in der Theorie klingt alles ganz easy. Verklebungen werden durch das Abrollen auf solchen fancy Gerätschaften gelößt und Verhärtungen werden gelockert.

Robert Schleip leitet an der Universität in Ulm als Humanbiologe die Faszienforschungsgruppe und ist im wissenschaftlichen Beirat des Faszienfitness-Verbands. Das Ergebnis der Forschungsgruppe ist, dass bei der Massage mit der Faszienrolle das Bindegewebe gedehnt wird und daraufhin Stickstoffmonoxid verstärk ausgeschüttet wird. Durch den Botenstoff erweitern sich die Blutgefäße und das Bindegewebe wird besser durchblutet. Genauso wird durch die Massage das Wasser aus dem Gewebe gepresst, was den Stoffaustausch beschleunigt. Das klingt doch geil oder?

Allerdings geschieht das unter Laborbedingungen und hier ist auch der Haken. Denn nachweisen konnte man in praktischen Studien am Menschen bisher noch nichts. Das liegt aber wahrscheinlich auch eher daran, dass es bisher noch wenige Studien über die Auswirkungen des Faszientrainings gibt. Alles was man also bis jetzt hat, ist einen fetten Hype und ein überwiegend positives Feedback der Leute.


Anzeige*

Blackroll DuoBall für Faszientraining

Körper und Sport als ganzheitliches Konzept begreifen.

Faszientraining ist ein ganzheitliches Training. Das Training von Muskulatur und Bindegewebe ging schon immer Hand in Hand und ist auch schon sehr lange bekannt. Dynamische Bewegungen wie zum Beispiel das Seilspringen oder einfache Mobilisation trainieren bereits das Faszialgewebe erheblich. Die Massage auf der Faszienrolle kann zwar das Training ergänzen und vor Allem auch Schwerpunkte setzen, bringt aber auch nichts, wenn keine Trainingsbasis gegeben ist.

Fazit

Das Faszientraining mit der Faszienrolle ist eine gute Möglichkeit, das eigene Training zu ergänzen aber ist nicht die ultimative Lösung für alle Probleme im Leben, wie man manchmal das Gefühl bekommt, wenn man mit manchen “Rollern” redet. Faszientraining ist nichts Neues und am Ende auch nur ein Trend, welcher extrem gut vermarktet wurde. Schaden tut das “Abrollen” auf keinen Fall. Jedoch erreicht man hier auch nur oberflächliche Stukturen. Wer sich immer regelmässig und langfristig dynamisch dehnt, der wird auch ohne eine Faszienrolle keine Probleme mit den Faszien bekommen.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren

Menü